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ÄTHIOPISCH-ORTHODOXE KIRCHE IN DEUTSCHLAND

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Grußwort

Exzellenzen, Eminenzen,

sehr geehrte Damen und Herren,

heute stehe ich hier vor Ihnen, der Diener meiner Kirche, nämlich der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo Kirche, und verkündige Ihnen mit großem Stolz und Freude,  dass unsere Kirche hier in Deutschland einen Bischof bekommen hat und dass dieser Bischof, seine Exzellenz Abune Diyonasiyos, hier unter uns in seiner Bischofskirche in Berlin weilt.

Vor 40 Jahren bin ich als junger Priester und Stipendiat des diakonischen Werks der EKD  nach Heidelberg gekommen und hatte das Glück, hier Herrn Prof. Dr. Heyer zu begegnen. Herr Prof. Dr. Heyer  war wohl der beste deutsche Kenner der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche und ich hatte die einmalige Chance, bei ihm zu promovieren. Rückblickend sieht alles so glatt aus, denn ich konnte die Promotion gut abschließen, wenn ich aber  genauer zurückblicke, erinnere ich mich auch an die Wüstenzeiten; es lief nicht immer so glatt mit dem Studium, schon allein die deutsche Sprache sorgte für viel Verdruss.

Gegen Ende meiner Promotionszeit wurde ich hineingerissen in die Auseinandersetzungen in meinem Heimatland und so wurde ich, der junge Priester zum einzigen Geistlichen, dessen Stimme über das Radio in ganz Äthiopien  gehört werden konnte, denn die kommunistische Regierung hatte verboten, religiöse Themen über den Rundfunk zu verbreiten. Das Programm der Deutschen Welle konnten die Machthaber in Addis Abeba nicht verhindern.

Während dieser Zeit  hatten wir Gottesdienste im Ritus unserer Kirche in Heidelberg im Beisein von Flüchtlingen aus unserem Land gefeiert und nach der Promotion stand die Frage im Raum, zurückkehren wie geplant nach Addis Abeba oder hier in Deutschland eine Kirche für die vielen äthiopischen Flüchtlinge gründen.

Als Priester hatte ich mich verpflichtet meiner Kirche zu dienen und hier war die Aufgabe gestellt. Wenn ich heute hier vor Ihnen stehe, dann is t dies ein Zeichen dafür, dass ich diese Aufgabe angenommen habe und dass unser Herr Jesus Christus seinen Segen für unsere Arbeit gegeben hat. Alleine war die Aufgabe nicht zu bewältigen, aber die Kirche hatte großartige Helfer. Hier möchte ich noch einmal meinen Doktorvater Herrn Prof. Dr. Heyer, den späteren Ratsvorsitzenden der EKD Herrn Kock und Frau Ilse Friedeberg vom Freundeskreis Philoxenia erwähnen und ohne konkrete Namensnennung all die Menschen, die unsere Kirche mit Rat und Tat im ökumenischem Geist unterstützt haben und mit uns zusammengearbeitet haben, wie es in vielen Gemeinden geschehen is t, die unserer Kirche Gottesdiensthäuser zur Verfügung gestellt haben. Und um zum Wesentlichen zu kommen, möchte ich mich bei all meinen Landsleuten bedanken, sie bilden die Gemeinde, die mit ihrem Glauben und ihrer Tatkraft die Auslandskirche der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland aufgebaut und zum Blühen gebracht haben.

Neben den Wüstenzeiten gab es in den 35 Jahren der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland viele Zeiten der Freude und mit großer Freude konnten wir in Köln, wie jetzt auch in Berlin, eine Kirche kaufen und so ein Stück Äthiopien wirklich an den Rhein und an die Spree bringen. Unsere Kirche, die über Jahrhunderte isoliert leben musste, ist  lebendig zurückgekehrt in die Gemeinschaft der christlichen Kirchen und fühlt sich wohl. Wir machen das Bild der Kirchen bunter und für Köln ist ganz wichtig, dass einer der Heiligen Drei Könige wohl aus unserem Land stammt. Ich bin froh, dass mir die Chance gegeben wurde, diese einzigartige und lebendige Kirche in Deutschland aufbauen zu dürfen und übergebe die Leitung dieser Kirche nun unserem Bischof. Es ist  ein wunderbares Geschenk für mich, den Einzug des Bischofs mitgestalten zu können und mich zu freuen über die wiedergewonnene Einheit meiner Mutterkirche. Meine Treue zur Mutterkirche in Addis Abeba wurde belohnt.

Merawi Tebege, Erzpriester und Dekan

Pressemitteilung

Am 31. 07. 2018 wird der erste Bischof der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo Kirche, Abune Diyonasiyos, in Berlin in sein Amt eingeführt. Der Bischof ist nicht nur für Deutschland zuständig, sondern auch für Westeuropa. Das Patriarchat der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche hat zur Kenntnis genommen, dass die früher so altehewürdige   Äthiopisch-Orthodoxe Kirche vollständig in den Kreis der christlichen Kirchen aufgenommen worden ist  und würdigt mit der Entsendung des Bischofs die Bedeutung der deutschen Auslandskirche. Die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche ist eine wirklich lebendige Kirche. Hier in Deutschland ist aus kleinsten Anfängen damals in Köln eine über ganz Deutschland verteilte Kirche mit 15 eigenständigen Gemeinden geworden.

Zur Zeit ist noch Amharisch die typische Umgangssprache in dieser Kirche, wenn nicht die Gottesdienstordnung die alte Sprache Geez vorschreibt. Aus einer reinen Flüchtlingskirche ist  diese Kirche entstanden, die ersten Mitglieder der Kirche konnten kein Wort Deutsch. Auch wenn Äthiopien ein Vielvölkerstaat ist, war und ist die amharische Sprache das verbindende Element. Mittlerweile können aber fast alle Gottesdienstbesucher gut deutsch sprechen und die Predigt könnte in deutscher Sprache gehalten werden. Die äthiopische Kirche war ja jahrhundertelang weitgehend isoliert von der Gemeinschaft der christlichen Kirchen und so ist  es kein Wunder, dass für die Äthiopier die Zugehörigkeit zu ihrer nationalen Kirche ein Stück Heimat ist. Obwohl die Äthiopische Orthodoxe Kirche als Kirche Jesu Christi jedem offen steht, bedeutet die noch vorhandene Sprachbarriere, dass hier in Deutschland fast ausschließlich Äthiopier zu dieser Kirche gehören. Die Kirche hat so fast automatisch die Rolle einer Sammlungsstätte für die weit weg von der Heimat lebenden Äthiopier, die vor dem kommunistischem Terror in ihrem Heimatland geflohen sind, erhalten. Dies hat den wirklich positiven Effekt, dass die Integrationsbemühungen der deutschen Stellen sich auf die Kirche stützen konnten, und so vollbrachte die Kirche gemeinsam mit den deutschen Stellen eine wirklich hervorragende Integrationsleistung. Die Integrationsleistung läßt sich auch daran ermessen, dass aus der armen Flüchtlingskirche, die ausschließlich von außen unterhalten werden musste, eine sich selbst finanzierende Kirche geworden ist. Zwei Gemeinden waren finanziell so stark, dass sie eigene Kirchen kaufen konnten, in Köln und Berlin. Die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche in Deutschland hängt heute nicht mehr am Tropf der ökumenischen Hilfe.

Mehr der orthodoxen Tradition folgend hat die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche keinen organisierten Sozialbereich, wie etwa die Diakonie und die Caritas bei den großen Kirchen. Die Hilfe erfolgt als Nachbarschaftshilfe konkret, etwa wenn bei der jährlichen Pilgerreise in das Heilige Land von allen die Kosten für den einzelnen Bedürftigen, der auch gerne die Heiligen Stätten besuchen möchte, übernommen werden, tätige Diakonie ist auch, dass beim Mal nach dem Gottesdienst alle satt werden.

Noch einmal einige Jahrhunderte später gelang den Mönchen unter der Führung des allgemein anerkannten Heiligen Tekle Haimanot eine Reform der Kirche und auch des Staates mit der Folge, dass die äthiopische Kirche tief von der Volksfrömmigkeit getragen wird. Als die Isolierung Äthiopiens durch den Siegeszug der Muslime immer stärker wurde, zeigte sich die Treue zu dieser Kirche in wirklich erstaunlicher Weise. Im 16. Jahrhundert war nicht nur Europa bedroht von den siegreichen muslimischen Armeen, ebenso wurde versucht in Afrika den Machtbereich zu vergrößern. Fast wäre das Kaiserreich Äthiopien Beute der Muslime geworden, auch wenn Portugal damals Waffen und Soldaten zur Unterstützung des christlichen äthiopischen Kaisers gesandt hatte. Nachdem aber der äußerst fähige Heerführer Gran Mohammed  gestorben war, war es mit der Schlagkraft seiner Truppen vorbei und das Kaiserreich Äthiopien gerettet. Erst Hunderte von Jahren nach dem Eroberungskrieg wurde die Region Harrar, von wo aus der Krieg seinen Anfang nahm, wieder Teil des vereinten Äthiopiens. Da die Portugiesen tatsächlich Soldaten und Waffen geliefert hatten, was wohl keine kriegsentscheidende Bedeutung hatte, denn die einzige Schlacht mit diesen Verbündeten ging verloren, wurde das Kaiserreich nach dem Krieg unter Druck gesetzt; es sollte für die Hilfe bezahlen; bezahlen dadurch, dass dieses christliche Land endlich den richtigen Glauben annahm und katholisch wurde. Der Kaiser hatte dies wohl versprochen, also fühlte er sich verpflichtet, sein Wort zu halten und er sorgte dafür, dass von den Gremien ein entsprechender Beschluss gefasst wurde, nämlich die Struktur der Kirche nach dem Vorbild der Katholischen Kirche zu verändern und den Papst in Rom als Oberhaupt anzuerkennen.

Nach dieser für Äthiopien wenig geglückten Annäherung an die europäische Kirche vergrößerte sich wieder deren Isolation bis Äthiopien in den Blick der europäischen Großmächte geriet und diese Mächte übereingekommen sind, Äthiopien der neuen europäischen Macht, nämlich Italien zu überlassen. So eroberte Italien zunächst die Provinz Eriträa und versuchte dann ganz Äthiopien zu erobern, was dann fehlschlug und Äthiopien der einzige afrikanische Staat blieb, der keine Kolonialmächte anzuerkennen hatte. Neben den Machtgelüsten der europäischen Staaten, war Mitte des 19. Jahrhundert die Idee aufgekommen, die armen orthodoxen Christen zu missionieren und so dem richtigen Christentum zuzuführen. Diese Idee wurde bei den Protestanten in Schweden und in Deutschland versucht in die Tat umzusetzen, mit mäßigem Erfolg.

Auch wenn die so bibelorientierte Theologie für die Orthodoxen attraktiv ist, fand sie in Äthiopien nicht alle zu viele Anhänger. Heute bleibt festzustellen, dass in Äthiopien nach Revolution und Enteignung der Kirchen eine kleine protestantische Kirche und die große orthodoxe Kirche neben den muslimischen Gemeinden existieren, die katholische Kirche kann unberücksichtigt bleiben.

Im 20. Jahrhundert ist es der äthiopischen Kirche gelungen, Mitglied ja sogar Gründungsmitglied des Weltkirchenrates zu werden.

Heute nach fast 1 700 Jahren isolierter Kirchengeschichte kann nur mit Staunen bemerkt werden, dass die Theologie der Äthiopisch-Orthodoxe Kirche keinesfalls der Theologie der europäischen Kirchen grundsätzlich widerspricht, dass die Kirchen sich tatsächlich über die 1 700 Jahre hin nicht auseinander entwickelt haben. Selbstverständlich sind die verschiedenen Denominationen in vielen theologischen Fragen unterschiedlicher Meinung, der Standpunkt der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche liegt aber typischerweise nicht am Rande sondern relativ zentral in der Mitte der Meinungen; weit außerhalb des statistischen Mittels liegt die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche in der Dauer ihres normalen Gottesdienstes; für den gläubigen Äthiopier sind 5 Stunden Gottesdienst normal. Allein dies mag ein Zeichen für eine tiefverwurzelte Volksfrömmigkeit sein und bei einem Besuch eines äthiopisch-orthodoxen Gottesdienst fällt auf, dass die Gläubigen sehr jung erscheinen. Dieser uralten Kirche ist es gelungen, die nachfolgende Generation an sich zu binden, so dass die im Rahmen der kommunistischen Herrschaft erfolgte Enteignung der Kirche keinen Zusammenbruch der Kirche zur Folge hatte.

Die deutsche äthiopisch-orthodoxe Kirche war von Beginn an auf die ökumenische Hilfe seitens der großen Kirchen angewiesen und der Dank für die erwiesene Hilfe hat diese Kirche geprägt. Erst ganz allmählich konnte sich ein Selbstbewußtsein entwickeln, das eigene Sendungsbewußtsein in einer Gesellschaft, die nicht mehr vom Christentum geprägt ist. Die USA gebrauchen Äthiopien, um Kriege zu führen, den Äthiopier wäre es lieber, sie könnten ihre Volksfrömmigkeit sich verbreiten lassen, die Achtung vor dem Heiligen allgemein verbindlich werden zu lassen. Die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche hat jetzt fast 500 Jahre Erfahrung im Umgang mit den Muslimen, wobei die Kirche immer arm und die Moschee immer reich war und in dieser Zeit lebten Christen und Muslime friedlich nebeneinander mit der wirklichen Sensation, dass die Moschee mitten im Dorf und die Kirche am Rande ist. Es ist in Äthiopien eine uralte Tradition, die Kirche auf dem benachbarten Berg zu errichten, nachempfunden der jüdischen Geisteswelt.

Das Patriarchat in Addis Abeba hat die bisherige Kirchenprovinz Deutschland und Westeuropa mit einem Vikar an der Spitze aufgewertet zu einer Diözese mit einem Bischof an der Spitze. Die Aufgaben sind geblieben, eine Kirche in der Nachfolge Jesu Christi zu sein und eine Heimat für die Äthiopier und sonstigen Gläubigen zu sein. In der Gemeinschaft der christlichen Kirchen in Deutschland kann die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche ein Beispiel für lebendige Orthodoxie und lebendiges Christentum sein, ein Beispiel für das Tolerieren einer anderen Glaubensrichtung. Der neue Bischof ist wohlgerüstet für diese Aufgabe, denn er hat Jahre in Deutschland als verantwortlicher Priester der Berliner Gemeinde gearbeitet und mit Gottes Gnade wird er das begonnene Werk der Weitergabe der Frohen Botschaft fortsetzen.

Erzpriester Dr. Merawi Tebege

Dekan

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